NAIROBI, 14. Februar 2011 – Zum Auftakt der weltweiten Einführung des Impfstoffs gegen Pneumokokken, einer der Hauptursachen von Lungenentzündung, sind heute hunderte kenianischer Babys erstmals gegen die gefährlichen Erreger geimpft worden. Fast ein Fünftel aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren gehen auf das Konto von Lungenentzündungen.
Die Veranstaltung, an der auch Kenias Präsident Mwai Kibaki teilnahm, diente gleichzeitig der offiziellen Einführung des Pneumokokken-Impfstoffs in das kenianische Routine-Impfprogramm. Dabei werden alle Babys unter einem Jahr kostenlos dreimal je eine Dosis des Impfstoffs erhalten und so gegen Pneumokokken-Infektionen geschützt werden. Die Regierung hatte neben den Eltern der Kinder und medizinischem Personal auch zahlreiche Botschafter und Vertreter von Geberregierungen eingeladen.
„Die heutige Einführung des Pneumokokken-Impfstoffs ist ein historischer Schritt auf dem Weg zu besserer Gesundheit für Kinder in Kenia und in anderen Entwicklungsländern“, sagte die kenianische Gesundheitsministerin Beth Mugo. “Die weltweite Einführung der Impfungen ist ein Meilenstein für die Gesundheit aller Menschen und wird uns dabei helfen, die Kindersterblichkeit zu senken.“
Jedes Jahr sterben mehr als eine Million Menschen an Pneumokokken-Infektionen, darunter mehr als eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren. Lungenentzündung ist die gängigste Form einer schwerwiegenden Pneumokokken-Infektion. Fast ein Fünftel (18%) aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren in Entwicklungsländern gehen auf das Konto von Lungenentzündungen. Damit sind diese – neben Durchfallerkrankungen - eine der beiden Haupttodesursachen von Kleinkindern.
Kenia ist das erste Land in Afrika, das einen Pneumokokken-Impfstoff einführt, der speziell auf die Bedürfnisse von Kindern in Entwicklungsländern abgestimmt ist. Auch in Sierra Leone, Nikaragua, Guyana, und Jemen werden derzeit Pneumokokken-Impfstoffe eingeführt. All diese Länder werden von der GAVI Alliance unterstützt, der Regierungen, UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere entscheidende Organisationen im Gesundheitsbereich angehören.
GAVI hat Mittel für die Einführung von Pneumokokken-Impfungen in 19 Entwicklungsländern innerhalb eines Jahres bewilligt. Wenn die Allianz ausreichend Gelder von ihren Gebern erhält, soll der Impfstoff bis 2015 in mehr als 40 Ländern zur Verfügung stehen.
„Die Einführung des Pneumokokken-Impfstoffs in drei Kontinenten ist Wirklichkeit geworden. Dies wird die Regierungen von Entwicklungsländern in die Lage versetzen, Todesfälle zu vermeiden und Millionen Kindern dabei helfen, gesund aufzuwachsen“, sagte Helen Evans, Interim-Geschäftsführerin der GAVI Alliance. „Routine-Impfungen sind eine der kostengünstigsten Maßnahmen, in die eine Regierung investieren kann. Wir zählen darauf, dass unsere Geber unseren lebensrettenden Auftrag weiter tatkräftig unterstützen.“
GAVI benötigt in den kommenden fünf Jahren zusätzlich 3,7 Milliarden US-Dollar um einerseits ihre Finanzierung von Impfungen in den ärmsten Ländern der Welt aufrechtzuerhalten und außerdem neue und unzureichend genutzte Impfstoffe wie jene gegen Pneumokokken und Rotavirus-Durchfall zu fördern.
„Der Pneumokokken-Impfstoff kann entscheidend dazu beitragen, die Zahl der Kinder zu senken, die jedes Jahr an Lungenentzündung sterben - einer tödlichen Krankheit, der weltweit Millionen Menschen erliegen“, sagte UNICEF-Exekutiv-Direktor Anthony Lake. „Indem wir Impfungen mit anderen erprobten Maßnahmen wie guter Ernährung und Abwasserentsorgung verbinden, können wir das Leben von Millionen Kindern verändern – und retten.“ „Die zügige Einführung einer neuen Generation von Impfstoffen gegen Pneumokokken zeigt, wie Innovation und Technologie zusammen genutzt werden können, in Entwicklungsländern Leben zu retten – und das zu erschwinglichen Preisen. Der Gegenwert wird in sinkender Kindersterblichkeit gemessen und wird enorm hoch sein“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.
Die Einführung von Pneumokokken-Impfstoffen in Entwicklungsländern ist durch einen innovativen Finanzierungsmechanismus möglich geworden, den GAVI vorangetrieben hat: das Advance Market Commitment (etwa: Verpflichtung zur vorgezogenen Markteinführung). Das AMC wird von Italien, Großbritannien, Kanada, Russland, Norwegen und der Bill&Melinda Gates Stiftung mit 1,5 Milliarden US-Dollar finanziert. GAVI steuert weitere 1,3 Milliarden US-Dollar dazu. Durch diesen Mechanismus konnten die beiden bisher vertraglich gebundenen Hersteller ihre Produktionskapazitäten beschleunigt ausbauen. So wurde der Pneumokokken-Impfstoff innerhalb eines Jahres nach seiner Einführung in Europa und den USA auch für Entwicklungsländer zugänglich, und zwar für einen Bruchteil des Preises, den er in wohlhabenden Ländern kostet.
„Das Advance Market Commitment hat die Einführung des Pneumokokken-Impfstoffs in den ärmsten Ländern dieser Welt deutlich beschleunigt”, sagte Tachi Yamada, Direktor des Global Health Program der Bill & Melinda Gates Stiftung. „Dieser innovative Finanzierungsmechanismus ist der Beweis, dass Öffentlich-Private Partnerschaften funktionieren und lebensrettende Impfstoffe Kindern so schnell wie möglich zukommen lassen.”
„Großbritannien ist einer der größten Förderer der GAVI Alliance und hat eine Führungsrolle in den Bestrebungen übernommen, Kinder vor vermeidbaren Krankheiten zu schützen. Heute gehen wir einen großen Schritt nach vorn im Kampf zur Senkung der Kindersterblichkeit. Mit der Einführung dieses Impfstoffs können wir die ärmsten Kinder der Welt schützen”, sagte der britische Entwicklungsstaatssekretär Andrew Mitchell. “Ich werde mich zusammen mit unseren internationalen Partnern dafür einsetzen, dass GAVIs wertvolle Arbeit weiterhin die Unterstützung erhält, die sie verdient. Deshalb freue ich mich darauf, GAVIs nächste Geberkonferenz im Juni auszurichten.“
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